62 BLECHTECHNIK 4/September 2020 E s ist nicht einmal hundert Jahre her, da wa- ren die Schiefertafeln aus dem Frankenwald ein weltweiter Exportschlager. Bis zu 12 Mil- lionen Schreibtafeln verließen die Produkti- onsstätten in einem Jahr. Der Bau spezieller Schleifmaschinen für diese Boombranche legte damals den Grundstock für den bis heute anhaltenden Erfolg bewährter und innovativer Technik aus der Maschinen- fabrik Weber. „Wir sind ein regional verwurzeltes, aber international agierendes Familienunternehmen im Über- gang zur vierten Generation. Qualität ist bei einem so alten Unternehmen wie unserem ein gewachsener Wert, der Tag für Tag gelebt wird. Mein Großvater begann da- mals mit der Herstellung von Schleifmaschinen für die Schiefertafeln. Heute beschäftigen wir hier in Kronach mehr als 450 Mitarbeiter und entwickeln Schleiftechno- logien für die Holz- und Metallindustrie, Extrudertechno- logie und seit neuestem auch Maschinen für die Additive Fertigung“, so Georg Weber, geschäftsführender Gesell- schafter der Weber Maschinenfabrik GmbH. stehen auf einer Fläche von 1.300 m2 alle Schleifver- fahren zum Testen bereit. Hier werden auch laufend neue Verfahren erprobt und eigene Patente bis zur Marktreife entwickelt. 63www.blech-technik.at _Perfekte Ergebnisse Seit rund 100 Jahren fertigt Weber in Kronach Schleif- maschinen, seit 1983 die ersten Metallschleifmaschinen und seit Mitte der 80er-Jahre ist das Unternehmen pa- rallel auf den Märkten Holz und Metall mit Schleifma- schinen erfolgreich präsent. „Wenn wir eine neue Tech- nologie entwickeln, setzen wir sie fast immer in beiden Bereichen ein. Als Erstes in der Holz- und dann in der Metallschleiftechnik oder auch umgekehrt“, so Weber. Die Einsatzbereiche von Blechteilen sind äußerst viel- fältig. Genauso vielfältig sind auch die Anforderungen an die Schleiftechnik bei ihrer Bearbeitung. Daher hat Weber seine Schleifmaschinen im Modulsystem kon- zipiert. Denn erst in der richtigen Zusammenstellung können die speziell für den Blechschliff entwickelten Weber-Schleifverfahren im individuellen Einsatzbereich perfekte Ergebnisse erzielen. Die möglichen Einsatz- bereiche reichen dabei vom Entgraten, Entzundern und Verrunden über die Reinigung der Oxidschicht laser- oder plasmageschnittener Teile bis hin zum optimalen Oberflächenfinish. Alle Weber-Schleifverfahren lassen sich sowohl in den Maschinen für Trockenschliff als auch den Nassschliffautomaten einsetzen. Und trotz individueller Zusammenstellung der Maschinenmodu- le zeichnet sich jede Weber-Schleifmaschine durch die besonders präzise und einfache Bedienung aus. Ein Drehknopf mit dem Namen „i-Touch“ macht das Navi- gieren durch die wichtigsten Funktionen am farbigen Touchpanel sehr einfach. Alle Schleifparameter wie z. B. Schleifbandgeschwindigkeit, Vorschubgeschwin- digkeit und Werkstückdicke können per Direktzugriff am „i-Touch“-Controller bedient werden. _Für jede Anwendung die passende Schleiftechnik Für die Bestückung der Breitbandschleifmaschinen von Weber stehen für jede Aufgabenstellung geeigne- te Schleifverfahren zur Auswahl. Zum Einsatz Ich möchte ein fehlerfreies Produkt konzipieren, das von der eigenen Fertigung problemlos hergestellt werden kann und sich am Markt durch Qualität abhebt. Das hat mich mein ganzes Berufsleben lang getrieben. Je nach Maschinentyp und gewünschter Schleiftechnologie werden kombiniert. > > 64 BLECHTECHNIK 4/September 2020 kommen neben den klassischen Techniken wie Walzen- schleifen und Bürsten die Weber-Entwicklungen STC Bolzenschleifbalken, das CBF Schleifsystem, der DR Planetenkopf und das MRB Multirotationsbürstsystem. „Speziell für das Anschleifen von Radien kombinieren wir z. B. das patentierte Planetenkopfsystem mit dem Multirotationsbürstsystem MRB. Damit lassen sich bei mittleren und größeren Blechdicken exakte Radien bis 2 mm anschleifen. Wichtig ist zudem, dass das Schleif- ergebnis zuverlässig über die gesamte Arbeitsbreite er- reicht wird. Wir lösen das mit einer Reihenanordnung der Bürstköpfe. Dadurch können wir platzsparend ver- schiedene Schleiftechniken miteinander kombinieren“, sagt Weber. Die Anforderungen von Industrie und Handwerk sind sehr vielfältig. Unterschiedliche, ge- stanzte oder geschnittene Bauteile und Materialien ver- langen immer speziellere Fertigungsverfahren. Weber beschäftigt sich intensiv mit den wechselnden Anfor- derungen und liefert mit der geeigneten Schleiftechnik eine sinnvolle und funktionierende Antwort. „Wir sind schon sehr lange auf dem Markt und ich kann mit Stolz sagen, dass wir diesen Markt als Trendsetter mitgestal- tet haben und auch in Zukunft mit oder besser gesagt gestalten werden“, erzählt Weber. _Patentierte Technologie im Einsatz Ob gestanzt oder genibbelt, mit Laser-, Autogen- oder Plasmaschneiden produziert, bei Blechteilen ist für die Weiterverarbeitung ein zusätzliches Entgraten sowie die Entfernung von Oxidschichten in der Regel un- erlässlich. An die Schleiftechnik werden dabei hohe Anforderungen gestellt: Gerade dickere Bleche weisen erhebliche Dickentoleranzen und Verzug auf, dabei soll die Werkstückoberfläche aber weitgehend unversehrt bleiben und die Schneid- und Brenngrate wirtschaftlich und sekundärgratfrei entfernt werden. In den Weber- Schleifmaschinen erledigt diese Aufgaben das Weber STC Bolzenschleifbalkensystem. Das Prinzip ist einfach, daher auch robust und zuverlässig: Zuerst werden mit einer herkömmlichen Walze die harten Brenngrate re- duziert. Dahinter drückt der Bolzenschleifbalken das Schleifband selbstständig gezielt gegen alle Ecken und Kanten und somit wird ein sekundärgratfreier Entgrat- schliff bei höchstmöglichem Toleranzausgleich auch bei kleinen Teilen und Mehrfachbeschickung erzielt. Eine weitere patentierte Weber-Technologie ist das innovative Planetenkopfsystem „Weber DR“ für das Verrunden und Entzundern von Blechkanten, welches Um eine makel- lose Verrundung zu gewährleisten, setzt Weber den ein. Die Bearbeitungs- station kann optional von oben und unten ein- gesetzt werden. Die gesamte mechanische Konstruktion und Fertigung geschieht 65www.blech-technik.at erstmals 2002 auf der EuroBlech vor- gestellt wurde. „Die Technologie war damals neu und es war das erste Sys- tem, das eine gleichmäßige Verrundung schaffte. Dieses System ersetzt perfekt die manuelle Bearbeitung der Schnitt- kanten und hat sich seitdem bei vielen Anwendern gegenüber den bisherigen Schleiftechniken durchgesetzt und auch bewährt“, so Weber. In der Praxis hat sich das System beispielsweise als Vor- bereitung von Blechteilen für problem- loses Lackieren bewährt. Beim Einsatz für das Entzundern von Schnittkanten lassen sich z. B. in einem Durchgang mehr als 10 mm Materialdicke reini- gen. „Da beim Weber DR System die zu bearbeitenden Teile gleichmäßig und komplett an allen Seiten von den Werk- zeugen umfahren werden, wird ein per- fektes Ergebnis erzielt“, so Weber. Bei dickeren Blechen übernimmt das MRB Bürstsystem das Entzundern. _Von der Kompakt- bis zur Individualklasse Alle Weber-Schleifmaschinen sind mo- dular aufgebaut und können sowohl von oben wie auch von unten arbeitend zu kompletten Anlagen kombiniert wer- den. Die Baureihe TTSC ist die kompak- teste Schleifmaschine. Zum Entgraten, Verrunden, Entzundern und Oberflä- chenschleifen können verschiedene Be- arbeitungen mit bis zu drei Bearbei- tungsstationen problemlos miteinander kombiniert werden. Die nächstgrößere Maschine ist die Universal-Schleif- maschine Weber PT. Sie ist mit bis zu vier Schleifstationen kombinierbar und ermöglicht alle Bearbeitungsvarianten von Fein- oder Grobblechen. Darü- ber gibt es die WEBER TTF mit bis zu acht Schleifstationen. Die Weber NLCA ist eine Entgratmaschine speziell für Stanz- und Feinschneidteile, bei denen eine starke, gleichmäßige Kantenver- rundung bei hoher Durchlaufgeschwin- digkeit gefordert ist. Sie wird oft in der Automobilindustrie eingesetzt. Zum Entgraten von Kernblechen ist die TTK-Baureihe am geeignetsten und mit der M-Baureihe hat das Unter- 65 Abstapelung von Feinschneidteilen – Praxisbeispiel Die Feinschneidteile sollen nach der vollständigen Gratentfernung durch die Entgratanlage vom Förderband abgestapelt und in entsprechende Ladungsträger wie z. B. in Gitterboxen abgelegt werden. Es können bis zu fünf leere Boxen bereitgestellt und bis zu fünf volle Boxen in der Förder- strecke gepuffert werden. Das bedeutet, dass je nach Taktzeit, z. B. stündlich, lediglich einige leere Boxen zugeführt oder voll beladene Boxen abgeführt werden. Erfolgt die Zu- und Abführung mit fahrerlosen Transportsystemen, so ist man der voll- automatisierten Fertigung ohne jeglichen Personaleinsatz sehr nahe. Ledig- lich zu Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten ist Personal notwendig. > > An den WIFIs können Sie alle gängigen Schweißver- fahren erlernen und auch gleich die für Ihre beruf- liche Tätigkeit notwendigen gemäß EN ISO 9606-1, EN ISO 9606-2 oder MAG/MIG-Schutzgas- schweißen WIG-Schutzgas- schweißen Elektro-Lichtbogen- handschweißen Gasschweißen – Rohrschweißen Hartlöten Ausbildungen zur Schweißaufsichts- personen Schweißer/innen brauchen Konzentration, Geschicklichkeit und Kompetenz. Alle Information in Ihrem Landes-WIFI oder unter 66 BLECHTECHNIK 4/September 2020 nehmen eine Maschine für die Erzeugung von Bürst- und Schliffbildern bei hochwertigem Tafelblech im Port- folio. „Wir kommen aus dem klassischen Maschinenbau, unsere Maschinen haben eine extrem stabile Mechanik mit einem geschlossenen Rahmen, dadurch können wir auch die effektivsten bzw. die härtesten Bürsten ein- setzen, ohne dass unser System gleich verschleißt. Ein weiterer Pluspunkt ist unsere Fertigungstiefe von bei- nahe 100 Prozent. Wir fertigen hier alles im Haus, die gesamte mechanische Konstruktion und Fertigung, die komplette elektrische Konstruktion und Montage sowie auch die Softwarekonzeption und Programmierung. Also eigentlich alles bis auf die Elektrik. Das ist gegen- über unseren Mitbewerben ein riesiger Vorteil und so können wir auch kurzfristig auf die unterschiedlichsten Problemstellungen reagieren“, so Weber. _Robotik und Automatisierung Durch die stetig wachsende Nachfrage nach Gesamt- anlagen von Kundenseite hat man sich in den letzten Jahren bei Weber dazu entschieden, weitere Kompo- nenten wie z. B. Fördersysteme und Roboteranlagen mit integrierten Kamerasystemen mit in das Portfolio aufzunehmen. Somit liefert Weber nicht nur die Schleif- technik, sondern ein Rundum-Sorglos-Paket exakt auf die Bedürfnisse des Kunden angepasst. „In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Automatisierungs- lösungen kontinuierlich an und so haben wir uns ent- schieden, eine Anlage zu entwickeln, die für einen großen Kundenbereich enorme Vorteile bietet. Diese Anlage sollte für die verschiedensten Anforderungen einsetzbar sein, möglichst ohne Fachpersonal (keine roboterspezifischen Kenntnisse), rentabel für geringe Losgrößen und universell einsetzbar für verschiedenste Branchen. Dies waren die Anforderungen, die unsere Kunden an uns gestellt haben“, so Weber. Das Resultat aus den genannten Parametern ist eine portable Anlage, welche unbekannte Werkstücke im Durchlaufverfahren, also bei bewegtem Transportband, von bis zu 10 m/min Vorschubgeschwindigkeit automatisch einlernt und zu- dem auch automatisch abstapelt. Das Kamerasystem ist in der Lage, entsprechend des ausgewählten Roboterwerkzeuges den optimalen Greif- punkt zu berechnen und dem Roboter zu übermitteln. Der Roboter bestimmt nachfolgend auf Grundlage der Die Fertigungstiefe bei Weber ist bei- nahe Sortieren, Stapeln und Werkstück- Handling – all das bietet das neue modulare 67www.blech-technik.at Eine Schleifmaschine ist ein derart einfaches aber hochkomplexes Gebilde mit mehreren 100 Einzelteilen – für die Konstruktion be- nötigt das Unternehmen geometrischen Werkstückparameter die Ablageposition auf dem Ladungsträger wie z. B. einer Europalette. Vom Bediener können einige Parameter wie z. B. die Stapel- höhe oder Werkstückeigenschaften vorgegeben wer- den. Der enorme Vorteil der Anlage ist die komplett au- tonome Arbeitsweise. Unbekannte Werkstücke werden automatisch eingelernt und abgestapelt, ohne dass nur eine Arbeitshandlung des Bedienpersonals notwendig ist. Die Abrundung des Gesamtkonzeptes wird durch einen integrierten Werkzeugwechsler erreicht, der Platz für bis zu drei verschiedene Werkzeuge bietet. Hier kann zwischen den Weber-Standardwerkzeugen oder den kundenspezifischen Werkzeugen gewählt werden. _Österreich wird oft unterschätzt „Die Weber Maschinenfabrik ist überall dort tätig, wo wir auch Potenzial sehen. Österreich z. B. ist ein sehr interessanter Markt für uns und wird oft auch ein we- nig unterschätzt. Sie haben in Österreich Maschinen- hersteller, Global Player wie z. B. Magna Steyr, Miba, Hoerbiger und eine weitere Vielzahl von Fertigungsbe- trieben. Es gibt eine große Bandbreite an verschiedens- ten Firmen, die alle interessant für uns sind“, so Weber. In Österreich ist die Weber Maschinenfabrik schon seit je her durch die Firma Schachermayer vertreten. „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren erfolgreich mit der Fir- ma Schachermayer zusammen, die mit ihrer Erfahrung und Philosophie hervorragend zur Hans Weber Maschi- nenfabrik GmbH passt“, so Weber abschließend. MTW: modulare Mini-Türme ADL: automatisches Be- und Entladen auf einen Tisch LTWS: hoch dynamischer, kompakter Lagerturm MCU: automatisches Sortieren Salvagnini Maschinenbau GmbH Wirtschaftspark Ennsdorf PROFITIEREN SIE JETZT VON DIESER EINMALIGEN GELEGENHEIT: L3-FASERLASER WAREN NOCH NIE SO ATTRAKTIV! Schneiden mit adaptivem Faserlaser SCHNELLES UND EFFIZIENTES SORTIEREN BEDIENERLOSER BETRIEB ADAPTIERBARE SCHNITTFUNKTIONEN Mini-TürmeEntladen auf einen Tischkompakter LagerturmSortieren e Wirt haft k En dorf MTW: modulareMTW: odul Mini-Türme ADL: automatisches Be- und Entladen auf einen Tisch LTWS: hoch dynamischer, kompakter Lagerturm MCU: automatisches Sortieren Wirtschaftspark Ennsdorf Dr. Guido Salvagnini-Straße 1 E. david.moertenboeck@salvagninigroup.com salvagnini.at Schneiden mit adaptive Faserlaser SCHNELLES UND EFFIZIENTES SORTIEREN BEDIENERLOSER BETRIEB ADAPTIERBARE SCHNITTFUNKTIONEN